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INSTITUTION IN SACHEN BLUES

Woodstock-Veteran bei der 25. Blueslawine in Osnabrück

Ein Indoor-Festival als Institution in Sachen Blues: Zum 25. Mal rollte am Samstag die "Blueslawine" über die Bühne. Im restlos ausverkauften Haus der Jugend feierten die Fans drei spielfreudige Formationen, welche erneut die Vielfalt des Genres belegten.

Es ist ein Jubiläum, das Osnabrücks Ruf als "heimlicher Blueshauptstadt" unterstreicht: Seit 25 Jahren geben sich bei der "Blueslawine" Größen des Genres ein Stelldichein. Die Strahlkraft der Veranstaltung beschert den Organisatoren des Vereins "Bluesverstärker" immer wieder ein volles Haus und vor zwei Jahren den "German Blues Award" in der Kategorie "Festival." Auch bei der Jubiläumsausgabe sorgte der Verein für musikalische Hochkaräter und entsprechende Feierstimmung.

Den klanggewaltigen Auftakt bestritt die "Blues Company." Die Osnabrücker Blueser um Bandleader Todor (Tosho) Todorovic feierten tatsächlich Blueslawinen-Premiere und hatten ihr frisch erschienenes Album "Ain`t givin' up" mit im Gepäck. Mit über 4000 Auftritten in ihrer 43 jährigen Bandgeschichte brachten sie geballte Spielerfahrung zum Besten, gesanglich unterstützt von den beiden "Soul Sistaz" Maria Nicolaides und Seda Devran. "Move to the Groove" schallte es da von der Bühne und während "Tosho" Todorovic ganz vorn am Bühnenrand sitzend seine Gitarre bearbeitete, legten sich die "Faboulos BC Horns" Uwe Nolopp (Trompete) und Volker Wink (Saxophon) ins Zeug. Multiinstrumentalist und Sänger Mike Titré, seit 1980 an Todorovics Seite, brillierte mit komplexen Slideläufen ebenso wie mit seinem ungewöhnlichen Harp-Spiel.

Antikriegssong und Frühlingssehnsucht

Als Statement gegen mediale Reizüberflutung á la Facebook und Instagram kam das Stück "The News" daher. "The world is gettin`crazy" schallte es da vieldeutig aus Todorovics Mund. Ein Statement, das auch für den Antikriegssong "Red Blood" Geltung beanspruchen durfte. Bluesig eingefärbte Frühlingssehnsucht bot das Instrumentalstück "Wating for the Springtime." Beim titelgebenden "Ain`t givin`up" entfaltete sich die Partystimmung dann zu einem sehr freien Orgelintermezzo.

Eigenwilligen Bluesrock mit hohem Nostalgie-Faktor bot im Anschluss die "Miller Anderson Band". Der Woodstock-Veteran Miller Anderson ließ im Hintergrund in grobkörnigen Bildern Erinnerungen an das legendäre Festival aufleben, das sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt, und an dem er als Mitglied der "Keef Hartley Band" teilnahm. Seine Riffs mit verzerrter Gitarre garnierte der 74-jährige Schotte mit jeder Menge trockenem Humor und Anekdoten, etwa über seine Begegnungen mit Frank Zappa. Die ekstatischen Orgel-Soli von Keyboarder Frank Tischer wurden durch spacige Klänge von Klaus Marquardt an der Bluesvioline erweitert. Im Ergebnis entstanden so mäandernd-rockige Soundlandschaften, etwa beim Song "Born to die" oder dem markanten Spencer Davis Group-Cover "I´m a Man" die das Publikum enthusiastisch aufnahm.

Quicklebendiger Festivalausklang

Die französischen Blueser von "Awek" konnten nahtlos an die ausgelassene Stimmung anknüpfen und, trotz mittlerweile schon vorgerückter Stunde, die Fans mit ihrem treibenden Spiel begeistern. Sänger und Gitarrist Bernard Sellam überzeugte dabei musikalisch ebenso wie Stephane Bertolino an der Harp. Mit bebendem Texas- und Chicagoblues sorgten die virtuosen Franzosen schließlich für einen quicklebendigen Festivalausklang.

NOZ-Artikel vom 19.03.2019 (von Christpg Beyer)